Menschen sind soziale Wesen. Doch was tun, wenn uns der direkte Kontakt fehlt? Das sogenannte Social Snacking kann helfen, unser Bedürfnis nach Verbundenheit auf kreative Weise zu stillen – und das sogar in Zeiten größter Einsamkeit. Was hinter dem psychologischen Phänomen steckt, wie du das spezielle Snacking in deinen Alltag integrieren kannst und was ausgerechnet Schauspieler Tom Hanks damit zu tun hat, erklären wir dir hier.
Was ist Social Snacking?
Der Begriff „Social Snacking“ mag zunächst ungewöhnlich klingen, aber er beschreibt ein faszinierendes psychologisches Phänomen: Kleine „soziale Häppchen“, die uns helfen, unser Grundbedürfnis nach menschlicher Verbundenheit zu befriedigen, wenn echter, direkter Kontakt nicht möglich ist. Diese Strategie kann in verschiedenen Lebenssituationen hilfreich sein – sei es bei temporärer Isolation, in einer neuen Stadt oder während stressiger Phasen.
Eine spannende Studie der Northwestern University unter Leitung von Wendi L. Gardner nahm einen bekannten Hollywood-Film als Ausgangspunkt ihrer Forschung. „In dem Film ‚Cast Away – Verschollen‘ überwand der unglückliche FedEx-Mitarbeiter Chuck Noland die kombinierte Bedrohung durch physischen und sozialen Hunger, nachdem er allein auf einer abgelegenen Insel gestrandet war“, erklären die Forscher*innen in einer Mitteilung zur Studie. „Neben dem Aufspießen von Fischen, dem Fangen von Regenwasser und der Suche nach einem Unterschlupf, um seine körperlichen Bedürfnisse zu befriedigen, fand Chuck heraus, dass Gespräche mit einem Schnappschuss seiner Freundin Kelly und die Gesellschaft eines Volleyballs, den er Wilson nannte, sich als nützlich erwiesen, um die Verzweiflung der sozialen Isolation zu überstehen.“
Und wie können wir Social Snacking im Alltag umsetzen – vor allem, da die meisten von uns wohl nie auf einer einsamen Insel stranden werden? Hier sind fünf effektive Methoden aus der Forschung:
#1
Mikro-Begegnungen im Alltag einbauen
Der kurze Plausch mit dem Bäckereipersonal, ein freundliches Nicken beim Joggen im Park oder das Smalltalk mit Sitznachbarn in öffentlichen Verkehrsmitteln – diese flüchtigen Interaktionen haben mehr Wert als wir denken. Die Studie betont: „Auch wenn nur wenige von uns jemals auf einer einsamen Insel gestrandet sein werden, so haben wir doch alle das Bedürfnis nach täglicher sozialer Nahrung und stehen vor der Herausforderung, dazuzugehören.“ Diese kleinen sozialen Häppchen können unseren Alltag deutlich bereichern.
#2
Routinen mit sozialen Ankern etablieren
Der regelmäßige Besuch des gleichen Cafés, wo die Barista dich beim Namen kennt, oder das wöchentliche Einkaufen beim lokalen Händler können als wirksames Social Snacking fungieren. Gardner und ihr Team erklären: „Wie Chuck scheinen wir geschickt indirekte Strategien zu nutzen, um ein Gefühl der Zugehörigkeit zu erlangen und aufrechtzuerhalten, selbst wenn eine direkte soziale Verbindung schwierig, riskant oder unmöglich ist.“ Diese wiederkehrenden Begegnungen schaffen ein Gefühl von Gemeinschaft.
#3
Erinnerungsstücke strategisch platzieren
Fotos von Freund*innen und Familie am Arbeitsplatz oder als Bildschirmhintergrund können ein spontanes Gefühl der Verbundenheit auslösen. Die Gardner-Studie bestätigt: „Wir haben alle das Bedürfnis nach täglicher sozialer Nahrung.“ Ein Blick auf das Bild deiner Liebsten kann tatsächlich ähnliche emotionale Zentren im Gehirn aktivieren wie ein kurzes Gespräch und dich motivieren, echte Begegnungen zu suchen.
#4
Nachbarschaftskontakte pflegen
Ein freundliches „Guten Morgen“ zum Nachbarn, das Annehmen eines Pakets oder das Anbieten kleiner Hilfestellungen schafft Verbindungen in deinem unmittelbaren Umfeld. Die Forscher*innen betonen: „Ablehnung, Ausgrenzung oder die vorübergehende Trennung von geliebten Menschen können unser subjektives Gefühl der sozialen Verbundenheit bedrohen.“ Nachbarschaftliche Mikro-Interaktionen können diese Gefühle abmildern.
#5
Öffentliche Orte bewusst aufsuchen
Bibliotheken, Parks, Gemeinschaftsgärten oder lokale Veranstaltungen bieten zahlreiche Möglichkeiten für beiläufige soziale Interaktionen. Allein die Anwesenheit anderer Menschen kann unser Wohlbefinden steigern – selbst wenn wir nicht direkt mit ihnen interagieren.
Denk dran:
Social Snacking sollte den tiefen menschlichen Kontakt nicht dauerhaft ersetzen, aber es kann eine wertvolle Ergänzung sein, um Phasen der Einsamkeit zu überbrücken. Nimm dir bewusst Zeit für diese alltäglichen Mikro-Begegnungen. Lege dein Smartphone beiseite, wenn du in der Schlange stehst, und schenke deinem Gegenüber ein Lächeln. Frage nach dem Befinden der Kassiererin oder bedanke dich beim Busfahrer mit einem kurzen Blickkontakt.
Diese kleinen Momente echter menschlicher Verbindung summieren sich und können deine mentale Gesundheit bedeutend verbessern. Achte dabei auf deine Bedürfnisse – wenn die „soziale Häppchen“ nicht mehr ausreichen, ist es wichtig, aktiv nach Wegen zu suchen, um dein soziales Netzwerk zu erweitern oder bestehende Beziehungen zu vertiefen.
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