An alle Girls da draußen: Wie oft habt ihr schon 'nen wirklich süßen Kerl kennengelernt und den dann doch wieder in den Wind geschossen, weil er euch schlichtweg zu klein war? Oder an die Boys gefragt: Wie oft habt ihr eine Frau schon kategorisch abgelehnt, weil sie euch überragt hat? Ja, es ist wohl unbestreitbar, dass das Thema Körpergröße in der Dating-Welt eine riesige Rolle spielt. Das zeigt auch eine aktuelle Studie von Parship wieder. Aber warum ist das so? Und stehen wir uns damit nicht irgendwie selbst im Weg?
Witziger Funfact vorab: In meinem Umfeld sind aktuell mal wieder einige Girls am Daten. Und egal, in welcher Runde auch über die potenziellen Anwärter gesprochen wird, in einem Punkt scheinen sich alle einig zu sein: Groß soll er doch bitte sein. Und ganz ehrlich? Ich kann's ihnen nicht mal verdenken. Wenn ich ganz oberflächlich betrachtet meinen „Type“ beschreiben müsste, würde „großer Kerl“ wahrscheinlich ganz oben stehen. Und mit einem Boyfriend, der fast zwei Meter groß ist, erfülle ich wohl perfekt das Klischee. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich in der Vergangenheit auch schon Kerle gedatet habe, die nicht gefühlt drei Köpfe größer waren als ich.
Und dennoch: Es lässt sich nicht leugnen, dass die Körpergröße beim Dating immer irgendwie eine Rolle spielt – und das mehr, als uns vielleicht lieb ist. Nicht ohne Grund wird einem auf Dating-Apps in gefühlt jedem zweiten Profil stolz von den Männern eine Körpergröße von mindestens 1,90 Meter präsentiert. Und alleine die Tatsache, dass sie meinen, das so explizit anführen zu müssen, sagt ja schon viel über unsere aktuelle Dating-Welt aus.
Für jede zweite Frau kommt ein kleinerer Mann nicht infrage
Aber eine Studie der Dating-App Parship, bei der Personen aus Deutschland im Alter von 18–69 Jahren zum Thema „Körpergröße beim Dating“ befragt wurden, zeigt nun eben auch wieder: zurecht! Denn zwei von drei Frauen (65 Prozent) gaben dort an, bei der Partnerwahl zumindest auf die Körpergröße zu achten. Jede zweite heterosexuelle Frau (52 Prozent) schließt einen kleinen Partner darüber hinaus sogar direkt aus.
Und mehr noch: Knapp sechs von zehn Frauen (58 Prozent) erwarten sogar, dass ihr Partner mindestens fünf Zentimeter größer ist als sie. Zwar variiert dieser Wunsch in den einzelnen Altersgruppen (die Gen Z ist auf jeden Fall offener, hier bestehen „nur“ 49 Prozent auf einen fünf Zentimeter größeren Mann) und dennoch wird deutlich, dass Größe hier auf jeden Fall mehr als nur ein nettes Add-on ist. Es wird zum Ausschlusskriterium.
Und das ist bei Frauen noch mehr der Fall als bei Männern. Über die Hälfte (57 Prozent) der männlichen Befragten gab nämlich an, dass die Größe des Gegenübers für sie beim Dating überhaupt keine Rolle spielt. Laut der Studie lehnt zwar jeder dritte heterosexuelle Mann (32 Prozent) eine größere Partnerin ab, immerhin 18 Prozent erklärten jedoch, dass sie eine größere Frau sogar attraktiv finden.
Warum ist Körpergroße beim Dating so ein großes Thema?
Hier hätte die Antwort in der Studie wohl kaum weniger überraschend ausfallen können. So scheinen sich die meisten Frauen von großen Männern angezogen zu fühlen, weil sie sich in ihrer Gegenwart sicherer fühlen (das gaben zumindest 77 Prozent der Frauen an). Bei Männern hingegen kickt bei einer kleineren Partnerin der Beschützerinstinkt rein (54 Prozent).
Doch nicht das allein macht die Körpergröße zu einem offensichtlich so wichtigen Thema beim Dating. Denn da ist ja auch noch:
Das „Idealbild“ von Mann und Frau
Denn mal ehrlich: Egal, wo man hinschaut – ob auf Social Media, bei Netflix, im Kino und Co. – man bekommt immer den großen, schönen Beschützer neben der kleinen, zierlichen Frau präsentiert. Das ist das klassische Bild von Männlichkeit und Weiblichkeit. Deswegen wird in Filmen ja selbst heute noch gerne mal getrickst, wenn der männliche Hauptdarsteller kleiner als seine weibliche Kollegin ist. Klar, dass sich das dann (unbewusst) in den Köpfen festsetzt und Einfluss auf unser Dating-Leben nimmt. Auch in der Parship-Studie sagten mehr als vier von zehn Frauen (43 Prozent), dass sie sich neben einem kleineren Mann als nicht weiblich genug empfinden.

Auf der anderen Seite fühlen sich 25 Prozent der Männer nicht männlich genug neben einer größeren Frau – und sogar regelrecht verunsichert! Aber müssten wir das nicht längst hinter uns gelassen haben? In einer Zeit, in der Geschlechterrollen (zum Glück) immer mehr hinterfragt und neu definiert werden? Warum hält sich also ausgerechnet dieses Stereotyp so hartnäckig? Und wie schafft man es, die eigenen Denkmuster zu durchbrechen? Dating- und Parship-Expertin Stella Schultner hat da ein paar hilfreiche Tipps.
Wie lässt man alte Denkmuster hinter sich?
Angefangen damit, dass wir uns alle bewusst machen sollten, dass es „den perfekten Menschen“ überhaupt nicht gibt. „Jede*r Partner*in wird Eigenschaften haben, die nicht ganz den eigenen Vorstellungen entsprechen. Auch man selbst wird für andere nicht perfekt sein“, so die Expertin. „Je mehr wir uns von der Illusion der Perfektion trennen, desto einfacher wird es, sich für wahre Liebe zu öffnen.“ Und das ist es doch, was wir wollen, oder? Wahre Liebe. Oder um es anders zu formulieren: Einen Menschen, der uns akzeptiert, wie wir sind, und von dem wir uns genau so geliebt fühlen können.
Stella Schultner rät daher, sich folgende Fragen einmal ganz genau zu stellen:
1. Wie wichtig ist die Körpergröße wirklich? An dieser Stelle sagt sie: „Stell dir vor, du hast einen Menschen an deiner Seite, von dem du dich sehr geliebt fühlst. Eure Werte stimmen überein, die Zukunftspläne sind fast identisch, der Humor passt und es gibt sogar ein besonderes Interesse, das euch verbindet. Du fühlst dich sicher und wohl und hast das Gefühl, dass du gesehen und gehört wirst. Aber die Person entspricht nicht deinen Größenvorstellungen. Spüre nun in dich hinein: Würdest du auf eure Gemeinsamkeiten verzichten, wenn dafür die Körpergröße passt?“
2. Woher stammen deine Gedanken? Auch dieser Punkt ist wichtig. Denn viel zu selten fragen wir uns selbst, „woher unsere Vorstellungen von dem/der idealen Partner*in“ überhaupt kommen. Wenn du dich selbst also in diesem Artikel wiederfindest, solltest du dich laut der Expertin einmal fragen: „Woher stammt meine Präferenz? Hat sich mein Umfeld vielleicht mal meinungsstark zu diesem Thema geäußert? Könnten Filme oder Social Media meine Wahrnehmung geprägt haben? Was verbinde ich persönlich mit der Körpergröße, z. B. Stärke, Weiblichkeit/Männlichkeit, und spiegelt das die Realität wider? Wie würde ich mich neben einer Person fühlen, die nicht meinen Größenvorstellungen entspricht? Denke hier an verschiedene Szenarien: gleich groß, kleiner, größer.“
Und dann kommt die wohl wichtigste Frage: „Wie weit wäre ich bereit, von meiner Idealvorstellung abzuweichen? Wäre etwa eine gleich große Person denkbar? Auf welchen Wegen kann ich die Eigenschaften in einem Menschen wahrnehmen, die nichts mit Körpergröße zu tun haben? Habe ich Sorge davor, was mein Umfeld sagen würde, wenn mein*e Partner*in nicht den gängigen Größenidealen entspricht?“ Das ist jetzt natürlich einiges. Aber vielleicht hilft es dir persönlich ja dabei, dich ein bisschen zu reflektieren, wenn du das nächste Mal eine neue Person kennenlernst, die von der Größe her nicht unbedingt in dein ideales Gesamtbild passt.
Frage dich an dieser Stelle also mal ganz bewusst, woher diese Gefühle kommen und ob du wirklich bereit bist, einen Menschen ziehen zu lassen, der optisch vielleicht nicht dein perfect Match ist, sonst aber alles mitzubringen scheint, was dir wichtig ist. Und am Ende des Tages ist eine echte Connection doch so viel größer und wichtiger als jeder Zentimeter Körpergröße es je sein könnte, oder?