Auf TikTok und auch in anderen sozialen Netzwerken machen immer wieder kuriose Trends die Runde, die sich wie ein Lauffeuer verbreiten. Das ist zwar unterhaltsam, hat aber auch seine Schattenseiten – denn bei jungen Menschen, an die sich die Plattformen vor allem richten, löst das oft falsche Bilder und Verunsicherung aus. Einer dieser Trends ist der sogenannte Body Count. Wir verraten dir, was sich hinter dem Begriff verbirgt und wo das Problem liegt.
Was ist mit Body Count gemeint?
Wenn vom Body Count (im Deutschen so viel wie „Anzahl der Körper“) die Rede ist, geht es darum, mit wie vielen Personen man schon Sex hatte. Dass der Begriff zu einem Trend auf TikTok geworden ist, ist eigentlich ziemlich verrückt – denn ursprünglich hatte er eine ganz andere Bedeutung. Der Ausdruck Body Count kommt nämlich aus der Militärsprache und wurde verwendet, um die Anzahl der Toten auf der gegnerischen Seite im Krieg anzugeben. Warum es das Wort in die Jugendsprache geschafft und heute eine sexuelle Bedeutung hat? Eine sehr gute Frage …
Body Count: Darum ist der TikTok-Trend so problematisch
Was erstmal recht harmlos klingt, hat eine ziemlich problematische Seite. Auf TikTok und anderen Plattformen ist es nämlich in der Regel so, dass Männer für hohe Body Counts gefeiert werden und Frauen verurteilt – Stichwort Slut Shaming. Werden Männer gefragt, ob es für sie ein Problem sei, wenn die eigene Freundin einen hohen Body Count hat, lautet die Antwort häufig ja. Eigentlich sollte man meinen, dass wir so langsam alle verstanden haben, dass Frauen ihre Lust genauso wie Männer ausleben dürfen, sich nicht dafür rechtfertigen müssen und es sie schon gar nicht weniger wertvoll macht – doch offensichtlich ist dem nicht so. Dieses Bild an junge Teenagerinnen zu vermitteln, ist einfach nur schlimm und es ist kein Wunder, dass viele verunsichert sind oder sogar lügen, wenn es um ihren Body Count geht, um vermeintlich besser dazustehen.
Ist es wichtig, wie hoch der Body Count ist?
Nein, nein und nochmal nein! Wie hoch dein Body Count ist, sagt absolut gar nichts über dich aus und ist kein Maßstab, an dem andere Menschen dich bewerten dürfen. Wie viele Sex*partnerinnen wir schon hatten, sagt nichts über unseren Wert als Person aus. Und genauso wenig zeigt der Body Count, wie viel Erfahrung wir haben – denn es kommt ja immer auch auf die Intensität dieser Begegnungen an. Du kannst 15 One Night Stands haben und am Ende trotzdem nichts dazulernen, weil du die Personen nie wieder siehst und Kommunikation in diesen Momenten vielleicht nicht Priorität Nr. 1 ist. Du kannst aber auch dein ganzes Leben lang nur mit einer Person schlafen und unglaublich viel über Sex wissen, weil du mit ihr kommunizierst und so natürlich vieles über ihre, aber auch über deine eigene Lust lernst.
Ganz unabhängig davon ist generell jeder Mensch anders. Einige bevorzugen es, ihre Sexpartner*innen regelmäßig zu wechseln und andere leben eben lieber in langfristigen monogamen Beziehungen. Beides ist okay und richtig! Lass dich also bitte nicht vom Body Count unter Druck setzen. Es ist total egal, wie hoch oder wie niedrig er ist und macht dich nicht zu einem besseren oder schlechteren Menschen.
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