Wenn die grauen Wintertage überstanden sind, die Natur zum Leben erwacht und wir erstmals wieder in luftiger Kleidung rausgehen können, macht das etwas mit unserer Stimmung. Wir sind energiegeladener, wollen Sachen erleben und haben Lust, uns zu verlieben. Viele würden wohl sagen: Die Frühlingsgefühle sind geweckt. Doch gibt es sowas eigentlich wirklich? Verlieben wir uns im Frühling echt schneller? Und wenn ja, woran liegt das? Eine Expertin klärt auf!
Frühlingsgefühle: Gibt es sie wirklich?
Kennst du das: Sobald die Temperaturen draußen nach gefühlten Ewigkeiten der eisigen Kälte und grauen Trostlosigkeit im Winter endlich wieder steigen und der Frühling durchstartet, macht sich auch ein Gefühl der Aufbruchsstimmung breit. Man hat Bock, rauszugehen, neue Dinge zu erleben, zu flirten und sich vielleicht auch endlich mal wieder so richtig zu verknallen. Und irgendwie bekommt man das Gefühl, dass es allen da draußen so geht. Dass überall plötzlich die Schmetterlinge lossausen und die Frühlingsgefühle hochkochen. Aber gibt es sowas tatsächlich? Oder ist das vielmehr ein Mythos und wir bilden uns diesen neu entfachten romantischen und sexuellen Drive im Frühling nur ein?
Jana Welch, die Sexologin und Autorin von „Sex that connects“ hat die Antwort für uns. „Frühlingsgefühle sind real. Sie sind eine Mischung aus hormonellen Veränderungen, emotionaler Offenheit und Sinneswahrnehmungen. Nach dem Winter werden wir aktiver, verspüren mehr Lust auf Bewegung, Nähe und Berührung – das ist evolutionär sinnvoll. Die meisten Säugetiere reproduzieren sich im Frühjahr und auch bei Menschen steigt die Schwangerschaftsrate dann an“, so die Expertin gegenüber Penguin Random House. Jep, gerade, was die Lust auf mehr Bewegung angeht (und die Lust, seinen Körper mal wieder an einen anderen zu reiben, hehe), dürften gerade sicher die meisten zustimmen.
Der Frühling ist die perfekte Zeit, um sich zu verlieben. Wenn du also gerade jemanden datest, kannst du dieser Person doch einfach mal zeigen, wie gern du sie hast:
Aber wie genau äußern sich Frühlingsgefühle denn nun? Oder anders gefragt:
Was genau sind Frühlingsgefühle und wie entstehen sie?
Gerade was den ersten Teil der Frage angeht, haben wir gerade ja schon einiges angeschnitten. Wenn man von Frühlingsgefühlen spricht, spricht man in erster Linie immer auch von einem Gefühl der Freude und einer prickelnden Energie. Denn im Frühling fällt einem alles irgendwie leichter und man fühlt sich rundum besser. Man lässt den Winter, die Kälte und die Unzufriedenheiten hinter sich und freut sich auf die (sonnige) Zukunft. Mit dem Frühling kommt also quasi „der Neustart“, wie Jana Welch es auch ganz passend ausdrückt. „Alles blüht, wir zeigen mehr Haut, gehen aufrechter, sind offener für neue Impulse.“
Das ist aber auch kein Wunder, immerhin wird durch das Sonnenlicht nicht nur das Glückshormon Serotonin vermehrt ausgeschüttet, sondern auch Dopamin und Noradrenalin. Genau diese Stoffe sorgen für das Wach-Gefühl und vertreiben die Winter-Depressionen und Schläfrigkeit. Hinzu kommen die Farben. Während im Winter alles trist und grau erschien, fangen nun wieder Blumen an zu blühen und das Gras und die Bäume werden wieder grün. Das Bunte wird von uns positiver bewertet und sorgt für Glücks- bzw. Frühlingsgefühle. Zudem bilden wir in der Sonne auch wieder mehr Vitamin D und es kommt zu einem sinkenden Melatoninspiegel – „das Schlafhormon, das uns im Winter müde macht“, wie auch Jana Welch sagt, wodurch wir uns wacher und energiegeladener fühlen.

Wie wirken sich Frühlingsgefühle auf unsere Libido aus?
Nicht zu knapp, um es in ganz einfachen Worten zu sagen. Denn die eben bereits angesprochene „Energie fließt nicht selten in unsere Libido“, so die Sexologin. „Auch Testosteron- und Östrogenspiegel steigen, was das Verlangen zusätzlich ankurbelt. Plötzlich zieht es uns nach draußen, wir nehmen unsere Umgebung bewusster wahr und haben mehr Lust auf Nähe.“ Jep, fühlen wir!
Aber der Frühling schreit eben auch auf allen Ebenen geradezu nach (sexuellem) Erwachen, während alles überall aufwacht und erblüht – und dabei spielen auch unsere Sinne eine riesige Rolle, wie die Expertin weiter erklärt. Diese seien nämlich „wahnsinnig mächtig, wenn es um Lust geht. Licht hebt die Stimmung, Düfte wecken Erinnerungen, und Geräusche wie Vogelzwitschern oder das Summen der Bienen signalisieren: Die Welt ist lebendig – und wir auch. Diese Reize stimulieren uns ganz automatisch.“ Was aber natürlich nicht heißen soll, dass mit dir irgendwas nicht stimmt, wenn du dieses Gefühl gerade vielleicht nicht verspürst. Das ist vollkommen okay. Jeder Mensch hat nun mal seinen eigenen sexuellen Drive.
Aber vielleicht hast du ja trotzdem Lust auf ein paar Frühlingsgefühle oder einfach darauf – gerade, wenn du schon länger in einer Beziehung bist – neues Prickeln zu entfachen. Denn dafür kannst du laut Jana Welch natürlich auch deine Sinne und die deines Partners oder deiner Partnerin nutzen. „Auch drinnen kann man mit Licht, Düften und Musik eine Atmosphäre schaffen, die Lust macht. Ein bisschen Frühling für zu Hause“, so die Sexologin. An dieser Stelle können wir dir übrigens auch empfehlen, mal auf heiße Audiopornos zu setzen – zusammen oder alleine, um das Feuer neu zu entfachen. Denn wie formuliert Jana Welch es auch noch so schön: „Wenn der Frühling in der Natur beginnt, warum nicht auch im Kopf? Oder noch besser: im ganzen Körper.“ YES!